Sterne pflücken

Ich hole tief Luft, spüre meinen schnellen Herzschlag und drücke auf „Senden“. Mir fällt es schwer, mich mit etwas zu zeigen, was unfertig ist. Besonders, wenn dieses „Etwas“ mir wichtig ist. Wie zum Beispiel dieser Blog. Und nun ist er sichtbar, mein erster Post. Wow!

Die Idee dazu kam mir beim Ausräumen der Spülmaschine. An diesem Tag spürte ich so viel Freude bei dieser Tätigkeit, die sonst nicht auf der Liste meiner Lieblings-Aktivitäten steht. Mit ruhiger Sorgfalt stapelte ich die glänzenden Teller übereinander. Genussvoll fühlten meine Finger die glatte Fläche der sauberen, trocknergewärmten Gläser. Und die Gabeln und Messern ließ ich geradezu elegant in die passenden Nischen im Besteck-Kasten fliegen. „Wie schön. Eine Kleinigkeit – und einfach schön“, dachte ich. Und dann: „Über diese Goldblitze im Alltag möchte ich gern schreiben. Ich mache einen Blog.“

Dieser Tag ist neun Jahre her. Allen Ernstes: NEUN (9) JAHRE!

Erst jetzt schreibe ich diesen Blog. Was ist passiert? Warum hat es fast ein Jahrzehnt gedauert, bis dieser Post hier in die Welt geht?

Ich setzte den Impuls damals nicht um. Die Idee erschien mir bei längerem Nachdenken albern. Meine Themen fand ich plötzlich banal. Mein Schreiben – als ausgebildete Journalistin – zu wenig professionell. Je länger ich nachdachte, umso weniger Mut spürte ich. Die Energie des Impulses verpuffte, die Begeisterung verschwand. Es gab keinen Blog. Statt dessen Frustration über das Nicht-Verwirklichte und Gefühle von Versagen, Sinnlosigkeit und Scham.

„Jeder menschliche Gedanke und jede menschliche Handlung gründet sich entweder auf Liebe oder auf Angst.“ Neal Donald Walsh: Gespräche mit Gott 1, Seite 38

Was hielt mich damals zurück? Die Angst. Ich hatte Angst, mich zu zeigen. Ich hatte Angst, mit meinem Ausdruck nicht angenommen, vielleicht sogar verurteilt zu werden. Meine Angst war stärker als dieser Impuls von Lebendigkeit, der in die Welt wollte. Ich war noch nicht bereit, meine Ideen in dieser Form in die Öffentlichkeit zu tragen.

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Angst und Liebe auf der Wippe des Lebens

Heute bin ich in Frieden mit meinem damaligen Nicht-Zeigen. Mir ist klar geworden, dass es für mich sinnvoll war noch so lange zu warten. Es war noch nicht meine Zeit, das weiß ich heute. Aber vor neun Jahren hatte ich große Mühe, mich mit dieser Entscheidung zu mögen.

Der leuchtende Kern meiner Blog-Idee blieb die ganze Zeit über als Funke bei mir. Mal strahlte er kurz auf, um danach wieder im Nebel des Dringlichen und Gewohnten zu versinken. Mal stand er wie ein Stern etwas länger am Himmel meines Bewusstseins. Doch er verschwand nie völlig. Er blieb an meinem Firmament, getragen von der Sehnsucht, mich auszudrücken und auf diese Weise beizutragen zum großen Spiel des Lebens.

Angst und Liebe auf der Wippe des Lebens, Teil II

Angst und Liebe auf der Wippe des Lebens, Teil II

Jetzt habe ich den Stern also endlich vom Himmel gepflückt. Fast zehn Jahre habe ich den Boden für ihn vorbereitet – und bin jetzt einverstanden damit, dass dieser nie perfekt sein wird. Ebenso damit, dass der Stern, einmal auf die Erde geholt, nicht mehr ganz so makellos strahlt wie einst an meinem Himmel.

Dafür passiert etwas ganz Anderes, sehr Schönes mit ihm: Er entfaltet sich. Ich habe ihn nämlich eingepflanzt. Er hat nun einen Platz, wo er sich verwurzeln, langsam wachsen und zu einem Sternbaum werden kann. Ich darf mich um ihn kümmern. Er darf auf seine Art lebendig werden.

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Meine Idee ist Blog geworden – lesbar, teilbar, ausdruckbar, kommentierbar!

Ich freue mich!!!

„Was immer du meinst oder glaubst, tun zu können, beginne es. Handeln enthält Magie, Anmut und Kraft.“ Zitat wird Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben.

Wie leicht oder schwierig ist es für dich, vom ersten Impuls ins Handeln zu kommen? Wann hast du einen Stern vom Himmel gepflückt und ihn eingepflanzt? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

Herzgrüße von
Anja Louisa

 

6 thoughts on “Sterne pflücken

  1. Liebe Anja Schmidt!

    Vielen Dank für das Telefongespräch. Es war schön, eine solch lebende und warme Stimme zu hören.

    Ich suche seit Wochen nach einem Motiv für ein Plakat und heute schreibe ich „Sterne pflücken“ und lande bei Ihnen. Ich sehe das erste Bild und denke, hier bin ich richtig, ich sehe das zweite Bild und das hüpft direkt in mein Herz. Es passt so fantastisch in unser Projekt. Kinder geben ein Konzert mit Namen „Weihnachtssterne“ und geben alle Einnahmen an das Krisencenter in unserer kleinen Stadt für Kinder die dort wohnen müssen.

    Ich bin im Dezember 1999 nach Harstad in Nord-Norwegen gezogen und arbeite hier als Kantor. Nebenbei habe ich mehrere Chöre, habe als Tagesmutter gearbeitet und habe die letzten zwei Jahre mit einer ehemaligen Chorsängerin und Nachbarin Konzerte gegeben. Diese Sängerin, Mona Stenhaug Johannessen, hat sich endlich vor zwei Jahren getraut, ein eigenes Konzert zu geben und es wurde ein Erfolg. Es war ein Weihnachtskonzert und wir bestimmten uns, die Einnahmen nicht für uns zu behalten, sondern gaben sie weiter an eine Mutter, die eine Stiftung für misshandelte Kinder gründete, nachdem ihre Tochter missbraucht und getötet wurde.

    In diesem Jahr wollen wir wieder ein Weihnachtskonzert geben und diesmal dachten wir, sollten die Einnahmen an das Krisencenter in Harstad gehen und das Geld soll dort für Kinder gebraucht werden. Vor zwei Wochen waren wir beide im Krisencenter und haben mit den Leitern dort geredet und uns alles zeigen lassen. Dort wohnen Menschen in Not allen Alters vom Neugeborenen bis zur 80 jährigen. Manchmal ist das Haus so voll, dass man auf dem Fussboden schlafen muss.
    Wir sind dort mit viel Liebe entgegengenommen worden und die Frauen die dort arbeiten, tun es mit ganzem Herzen. Das war gut zu sehen. Und wir sind nun sicher, dass unser Geld für besondere Freuden für Kinder gebraucht wird.

    Alle, die hier in der Stadt Weihnachtskonzerte geben, freuen sich über ihre Einnahmen, wir tun das auch, allerdings mit dem Unterschied, das wir sie nicht für uns behalten. Beim ersten Konzert konnten wir fast 10.000 Euro an die Stine Sofie Stiftelse überweisen.

    Die Einnahmen des Konzertes am 1. Advent gehen, wie gesagt, an Kinder im krisesenter und da war es nur natürlich, Kinder in der Stadt zu fragen, ob sie Lust hätten, in einem Kinderchor zu singen und mit einem Konzert anderen Kindern, die es nicht so gut haben, ein bisschen Lebensfreude zu geben.
    In Harstad ist es schwierig einen Kinderchor zu betreuen. Ich glaube es gibt 3 Chöre mit jeweils 15 Kindern. Wir hatten eine Annonce in der Zeitung und gingen an alle Schulen in unserer kleinen Stadt. Die erste Probe sollte am ersten Dienstag im September sein. Ich erwartete 25 Kinder, Mona 28 Kinder. Es kamen 68 Kinder, eine Woche später waren es 78.

    Es wird nun ein richtig tolles Kinderchorkonzert mit full power, Lebensfreude, band und Solo. Ein wenig Musik über Angst und viel Musik über Liebe.

    Ich werde das Konzert für Sie aufnehmen. Sie würden uns so glücklich machen, dürften wir das Bild Angst und Liebe auf der Wippe des Lebens, Teil II für unser Plakat benutzen. Ich verdiene ein normales Organistengehalt, aber habe immer soviel Geld, dass besondere Träume wahr werden. Das Konzert „Julestjerner“ ist ein Traum, der heute genau vor einem Jahr begann, am 13. Oktober.

    Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
    Liebe Grüße
    Wolfgang Schmitt

    • Lieber Wolfgang,

      ich freue mich sehr, dass meine Zeichnung Sie berührt hat und so ideal Ihr Projekt ins Bild setzt. Das sind die Sterne, die gepflückt werden können und wollen, wenn wir uns mutig mit unserem Ausdruck zeigen. Herzlichen Dank! Und ich freue mich schon auf die CD! Herzlich Anja Louisa

  2. Hallo Louisa!
    ich bin nur zufällig auf deine Seite gekommen und habe deine Geschichte gelesen.
    Ich finde sie zutreffend und toll und sehr schön.
    Man überlegt meist zu viel, man sollte seinem Bauch vertrauen und zu sich selber Vertrauen und Mut haben.
    Es kommen so viele positive Gedanken und Ideen zu uns, die wir leider zu spät in die Tat umsetzen.
    Aber wenn wir es wirklich wollen, sollten wir es machen, es umsetzen.
    Ich wünsche dir Glück mit deinem Sternenbaum.

    Liee Grüsse
    Doris

    • Liebe Doris, herzlichen Dank für Deine Wünsche! Weiterhin viel Spaß beim mutigen Vertrauen in Deine Ideen.
      Herzlicher Gruß
      Anja Louisa

  3. Sehr berührend. Alles zu seiner Zeit. Und jetzt ist die Zeit, der Welt diesen Blog zu geben.
    Entfaltende Lebendigkeit … Yeah!! Ganz Wunderbar.
    With Love Mikey

  4. Liebe Louisa,
    Herzlichen Glückwunsch!!! Congratulations!!!! Tanti auguri!!!! Felicitaciones!!!!
    Du hast deinen ersten Stern vom Himmel gepflückt!
    Das Ganze Universum wartet lächelnd gepflückt zu werden!
    Alles Liebe
    Gaston

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